Interpretationsaufsatz Szene “Marthens-Garten” Faust I

erstellt am: 22.12.2019 | von: | Kategorie: Writing

Deutungshypothese:

Die Szene spiegelt einerseits die Differenzen zwischen Faust und Gretchen wieder, anderseits wird die gegenseitige Zuneigung beider zueinander deutlich. 

Interpretation:

Die Szene “Marthens-Garten” ist der Höhepunkt der Gretchentragödie und ist sehr wichtig für die fortlaufende Handlung. Im Mittelpunkt der Szene steht die sogenannte “Gretchenfrage”; Gretchen fragt Faust, wie er zu der Religion steht. Für Gretchen ist die Beantwortung dieser Frage sehr wichtig, da sie eine sehr kirchengläubige Person ist. 

Die Szene spielt erneut in dem Garten von der Nachbarin, Marthe. Der Garten ist für Gretchen und Faust der perfekt Rückziehungsort da Sie sich dort ungestört treffen können und so verhindern dass unangenehme Gerüchte über Ihre Beziehung entstehen.

Gleich zu Beginn wird die Wichtigkeit von Gretchens Anlegen bewusst durch die Förderung “Versprich mir, Heinrich” (V.3413). Ein weiterer Aspekt, der hier zum Vorschein kommt ist, dass Gretchen Faust vertrauter behandelt da sie Faust’s Vornamen “Heinrich” bevorzugt. Gretchen stellt die Frage vor der Aussage “Du bist ein herzlich guter Mann / Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon” (V. 3416f.), dadurch vermittelt sie einen Widerspruch, der daraus besteht das ein guter Mensch auch dem Glauben Gottes bedarf. Gretchen erwartet also von Anfang an ein ganz bestimmt Antwort nämlich diese; dass Faust genauso wie sie an das Christentum glaubt. 

Faust hingehen entgegnend der Frage sehr ausweichend: “Lass das, mein Kind!” (V. 3418), ganz im Gegenteil zu Ihr ist Faust nicht gottesfürchtig, sondern ein Mann der Wissenschaft. Er stellt sich dadurch das er sie “Kind”(V. 3418) nennt in eine höhere Position wie er. Jedoch toleriert die religiösen Ansicht Gretchen; “Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben” (V.3420) und will somit eine Auseinandersetzung mit Ihr vermeiden. Sie jedoch beharrt darauf das nur der Glaube an Gott der Richtige sei und lässt ein Widerspruch von Faust nicht zu, sie dominiert das Gespräch und es kommt zu Höhepunkt als Sie Faust konfrontiert mit der Frage: “Glaubst du an Gott?” (V. 3426).

Faust jedoch entgegnet diese Frage ironisch und stellt sich durch eine geschickte Wortumkehrung bloß; “Magst Priester oder Weise fragen / Und ihre Antwort scheint nur Spott / Über den Frager zu sein” (V. 3437f.) 

Gretchen aber lässt immer doch nicht locker und fragt nun den leicht gereizten Faust “So glaubst du nicht?” (V.3431). Dies jedoch ist für Faust die perfekte Steilvorlage endlich seine Ansicht von seinen Glauben Gretchen zu offenbaren, den die vorherigen Vorwürfe kann er nicht leugnen. Faust hat gänzliche mit der Religion abgeschlossen nicht jedoch mit dem Glauben daran die Frage zu beantworten, was die “Welt im innersten zusammenhält” die durch den “Allumfasser” (V.3437) und “Allerhalter” (V.3438) beantwortet werden kann. Ihm ist es egal, wie Gott genannt wird, dies wird deutlich durch den Asyndeton “Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott!” (V. 3444). Faust hat einen eigenen Zugang zum Glauben und will ihm auch nicht ein Namen zuordnen “Ich hab kein Namen” sondern er hat nur das “Gefühl” den dies sei “alles”. Faust sieht im Allem einen göttlichen Zugang und ist somit Anhänger des Pantheismus welchen Gott im Aufbau und Struktur des Universums sehen, Gott existiert also in allen Dingen und Lebewesen. So wurde sein Erklärungsversuch für Gretchen zu einem pantheistischen Glaubensbekenntnis.

Gretchen hat Verständnis für diese Ansicht jedoch entgeht sie Faust das “der Pfarrer” dies so auch sagt “nur mit ein bisschen andern Worten” (V. 3460f) und kommt zum Entschluss das seine Ansicht “schief” (V.3467) sei da er “kein Christentum” (V.346) hat. Für Sie ist also dieser “körperlose” Begriff von Glauben falsch das sie das Christentum braucht als Rahmen ihres Glaubens. Faust hat es nun aufgeben, Gretchen weiter von seiner Ansicht zu überzeugen, dies wird deutlich durch den hilflosen Ausruf “Liebs Kind!” (V. 3447).

Ein weiterer Aspekt, der genannt werden muss ist, dass sich Gretchen beschwert über die Beziehung zu Mephisto: “Ist mir in tiefer innrer Seele verhasst[…] Als des Menschen widrig Gesicht” (V.3471-3476), sie spürt die negative Energie die von ihm ausgeht, kann sie aber nicht richtig zuordnen “Und halt ihn für ein Schelm dazu” (V.3481). Es kommt erneut zu einer Steigerung der Liebkosung von Faust. Anfangs hat Faust Sie “Kind”(V.3418), genannt jetzt nennt er sie schon “liebe Puppe” (V. 3476) und am Ende sogar “Engel” (V.3494). Trotz dieser Zuwendung lässt sie sich nicht Umstimmen über die Meinung des Charakters von Mephisto.

Sie droht sogar Faust ihr Verhältnis zu beenden wenn er sich nicht entfernt von ihm: “Dass, wo er nur man zu uns treten / Mein ich sogar, ich liebte dich nicht mehr” (V.3496f). Faust der vorher seine Stärke im Argumentieren zum Vorschein brachte, ist nun vollkommen hilflos da er selber weiß, dass Gesagte Gretchens wahr ist, und schiebt es deshalb auf Gretchens “Antipathie” (V.3501).

Gretchen will sich nun der Szene entfliehen: “Ich muss nun fort” (V.3502), trotzdem ist Faust nun so dreist und fragt sie nach einer gemeinsamen Nacht mit ihr “Ein Stündchen ruhig dir am Busen hängen / Und Brust an Brust und Seel in Seele drängen?” (V.3502f). Gretchen die eigentlich jeden Grund hätte, Faust in die Schranken zu weisen, sieht lediglich eine Problematik mit Ihrer “Mutter”das sie nicht tief schläft. Es kommt wieder klar zum Vorschein, dass Gretchen sich hingezogen zu Faust fühlt da sie ihm den Wunsch erfüllt ihrer Mutter einen “Trank” (V.3512) zu verabreichen der der Mutter einen tiefen Schlaf ermöglicht. Des Weiteren merkt man, dass sich Gretchen dabei unwohl fühlt durch eine Inversion “Dass mir zu tun fast nichts mehr übrig bleibt”(V.3520).

Die größten Gesprächsanteile hat in dem Konfliktgespräch Gretchen. Verwunderlich ist aber das Gretchen in den Szenen davor als er zurückhaltend und eher schüchternen beschrieben wurde. Gegenüber Faust traut sie sich aber ihre Meinung zu sagen und ihm Parole zu bieten, was natürlich auch verdeutlicht wie sie Faust vertraut. Faust hingegen probiert sich durchgehend über Sie zu stellen durch Äußerungen wie “liebe Puppe”, “Kind” und “Engel”. Er sieht also in Gretchen immer noch jemand der noch keine eigene Meinung haben kann. Dass Faust Gretchen  “Engel” nennt, verdeutlich unter anderem das Sie die Gegenspielerin von Mephisto ist, dem Teufel.

Am Ende der Szene kommt Mephisto dazu welcher Sie “spioniert” (V.) hat. Er macht sich lustig darüber das Gretchen Faust “katechsiert” (V.3521) hat und über den Glauben Gretchens. Faust verteidigt Sie und beschimpft Mephisto “Du Spottgeburt von Dreck und Feuer” (V. 3536). Er geht drauf ein das Gretchen die “Physiogomie”, also das Erscheinungsbild, seiner gut lesen kann, findet die Deutung aber mehr lustig.

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