Goldne Topf – Interpretation 2. Vigilie

erstellt am: 24.01.2021 | von: | Kategorie: Writing

Einleitung

Die Novelle “Der goldne Topf” von E. T. A. Hoffmann wurde im Jahr 1814 verfasst. In der Novelle geht es um den Dualismus des Protagonisten Anselmus, welcher zwischen realer und magischer Welt wandelt. 

Deutungshypothese

Der Student Anselmus kommt zum ersten Mal in Berührung mit der magischen Parallelwelt. Dabei erlebt er viele verschiedenen Sinneseindrücke, die durch die Natur intensiviert werden.

Interpretation

Der innere Monolog des Studenten Anselmus wird plötzlich durch “sonderbares Rieseln und Rasseln” (Z.1), unterbrochen. Plötzlich nimmt er die Situation ganz anders wahr, der Holunderbusch unter welchem er sitzt und welcher “sich über seinem Haupt wölbte” (Z. 3), zieht ihn übersinnlich an. In dem noch verträumten Zustand nimmt er eine Vielzahl von sonderbaren Geräuschen und Tönen wahr, “ertönten die aufgegangenen Kristallglöckchen” (Z. 6) oder “da fing es an zu flüstern” (Z. 6). Anselmus kann diese Geräusche nicht zuordnen, dies wird erkennbar durch die Wiederholung “Anselmus horchte und horchte” (Z. 7). Das “Gelispel und Geflüster und Geklingel” (Z. 8 ), entwickeln sich zu Worten, er selbst kann sich nicht erklären wie die sonderbaren Geräusche zu Wörtern werden: “er wusste selbst nicht wie” (Z. 8). Die gesprochenen Wörter haben keinen Sinn sondern sind “verwirrend” (Z.15). Auffällig dabei ist, dass die meisten Wörter mit den Buchstaben „Z” und „Sch“, anfangen: “Zwischen durch – zwischen ein- zwischen Zweigen […] Schwesterlein – Schimmer […]” (Z. 9 ), durch zusätzliche Gedankenstriche wird die wörtliche Rede rau und ihr Rhythmus impulsiv.

In der Zeile 15 wechselt der Erzähler, welcher bisher aus der Außenperspektive berichtet hat, in die Innenansicht von Anselmus “der Student Anselmus dachte” (Z. 15). Anselmus probiert die, fast schon hypothesierenden Wörter, rational zu erklären: “doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Wörtern flüstert” (Z. 16). Die nicht zu erklärenden Sinneseindrücke enden aber nicht, er hört “ein Dreiklang” (Z. 17) und “erblickte drei in grünem Gold erglänzende Schlänglein” (Z. 18). Verwunderlich ist hier der Diminutiv von solch einem Tier wie einer Schlange. Trotzdem probiert Anselmus, sich vernunftgemäß die Sinneseindrücke zu erklären “Das ist die Abendsonne, die so in dem Holunderbusch spielt” (Z. 23) Andererseits wird die Wahrnehmung als unglaublich ästhetisch beschrieben “tausend funkelnden Smaragde” (Z. 23). Hingerissen von seiner Wahrnehmung, verfällt er ganz der sinnlichen Welt, die “herrlichen dunkelblauen Augen” (Z. 26) der Schlange, weckt in ihm eine “unaussprechliche Sehnsucht” (Z. 27) welche “ein nie gekanntes Gefühl der höchsten Seligkeit” und zugleich ein “Schmerz” (Z. 28) in ihm auslöst. Die ausgewählten Wörter wie “Verlangen” (Z. 28) oder “holdseligen Augen” (Z. 29), erzeugen den Eindruck, als hätte sich Anselmus in die Schlange verliebt. Die reale Welt scheint endgültig aufgehoben zu sein, durch bildliche und farbige Beschreibung kann Anselmus und auch der Leser komplett in die übersinnliche Welt eintauchen. Die Intensität der Eindrücke wächst, als der personifizierte Holunderbusch anfängt zu reden: “Ich umspielte deine Schläfe, aber du verstandest mich nicht” (Z. 35). Der Holunderbusch macht Anselmus Vorwürfe, seine Signale und Symbole nicht gleich auf Anhieb verstanden zu haben. Das “Verlangen” (Z. 40) von Anselmus nach der Schlange wird immer größer und “heißer die Sehnsucht” (Z. 40) nach ihr. Ganz im Gegenteil zu dem davor beschriebenen traurigen und leidenden Studenten, wird die Natur umso paradiesischer und synästhetisch beschrieben: “Ihr Duft war wie herrlicher Gesang von tausend Flötenstimmen”(Z. 43). Die Szene endet damit, dass eine raue Stimme, die dem Vater der Schlange Archivars zuzuordnen ist, Anselmus aus der mythischen Welt erwachen lässt und wieder in die Realität zurückbringt. 

Funktion der Szene

Die Szene ist zum einen die Einführung in die magische Welt, sowie zum anderen der erste Kontakt mit Lindhorsts Tochter Serpentina. Sie ebnet den Weg für Anselmus, sich mit der poetischen und fantastischen Welt auseinanderzusetzen. Gleichzeitig ist die Liebe zu der Schlange Serpentina die Voraussetzung für den späteren Eintritt ins Paradis Atlantis. Für Anselmus selbst öffnet sich unter dem Holunderbusch eine ganz neue Welt, für die es sich für ihn wieder zu leben lohnt, ganz im Gegensatz zu der ihm zwar vertrauten, aber abstoßenden bürgerlichen Welt.

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